Die amerikanische Zeit im Camp King – 1945 bis 1993
In den ersten Wochen nach Kriegsende diente das eingezäunte Gelände kurzzeitig als Kriegsgefangenenlager für deutsche Soldaten. Später wurden prominente Nationalsozialisten nach Oberursel gebracht und von Dr. Robert Kempner, dem späteren Ankläger bei den Nürnberger Prozessen, vernommen.
Dr. Eugen Kogon, der als Nazigegner 1939 – 45 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war, lebte 1945 im Camp als freiwilliger Chronist der US-Army und begann hier mit der Niederschrift des Buches „Der SS-Staat".
Benannt wurde das Lager am 19.09.1946 nach Colonel Charles B. King, der 1944 bei der Invasion der Alliierten in Frankreich gefallen war.
Ab 1946 nutzte die amerikanische Spionageabwehr CIA den Standort, unter deren Patronage die Organisation Gehlen, ein Vorläufer des heutigen Bundesnachrichtendienstes (BND), Nachrichten aus den Ostblockstaaten, insbesondere der damaligen DDR, sammelte.
Auf dem Gelände entstanden Wohnungen für 450 Menschen mit Einkaufszentrum, Kino, Sporthalle, einer Kapelle für alle Konfessionen und einem kleinen Gefängnis.
Einblicke in das Leben der Amerikaner in dieser Stadt in der Stadt gibt die Sammlung des ehemaligen Barkeepers Frank Gaidosch, die heute im Stadtarchiv aufbewahrt wird.
Im Herbst 1993 verlassen die amerikanischen Streitkräfte die Stadt Oberursel. Das Gelände fällt an die Bundesrepublik Deutschland zurück.
„Don't look back", dies ist der Titel eines Kunstwerks, das der Frankfurter Künstlers Thomas Kilpper (*1955) 1998 in der Basketballhalle des ehemaligen US-Militärgeländes Camp King geschaffen hat.
In der bereits leerstehenden, zum Abriss bestimmten Halle verwandelte der Künstler über mehrere Monate hinweg den gesamten ca. 300 m² großen Parkettboden in einen Holzschnitt, dessen einzelne Szenen sowohl auf die Geschichte des Ortes Bezug nehmen als auch die Biographie des Künstlers reflektieren. |